BJJ Basics! - so viel wie nötig so realistisch wie möglich!
- alexandermikus7
- Sep 10
- 3 min read
Updated: Nov 8

Vilfredo Pareto war ein italienischer Ökonom des frühen 19. Jahrhunderts. Sein tatsächlicher Name war Fritz Wilfried Pareto, so stand es in seiner Geburtsurkunde und dem Deckblatt seiner Dissertation, jedoch verwendete er Vilfredo, die italianisierte Version dieses Vornamens.
Pareto ist für zwei Phänomene weit über die Ökonomie hinaus bekannt geworden. Zum ersten, die Pareto-Effizienz , diese beschreibt einen Zustand in dem es nicht möglich ist, die Wohlfahrt einer Person zu erhöhen, ohne die Wohlfahrt einer anderen Person zu verringern. Zum Anderen das Pareto-Prinzip. Dieses besagt, dass 80% der Ergebnisse auf 20% der Aktivitäten zurückzuführen sind (Feldman, Allen 1998). Dies scheint zunächst nicht intuitiv zu sein, jedoch findet sich dieses Verhältnis in fast jedem Unternehmen, jedem Spiel und jeder Aktivität.
Was hat das Pareto-Prinzip nun mit Brazilian Jiu-Jitsu zu tun? Hier müssen wir etwas weiter ausholen um den Kontext verständlich zu machen. In den frühen 90ger Jahren erlangte BJJ auf einen Schlag weltweite Bekanntheit. Die UFC wurde dreimal in Folge von einem recht unscheinbar wirkenden Brasilianer (Royce Gracie) gewonnen. Er zeigte wie wirksam und effektiv BJJ im Zweikampf ist und das es hielt was andere Systeme nur versprachen.
Dabei liefen die Kämpfe immer nach einem klaren Muster ab. Auf eine schnelle Überbrückung der Schlagdistanz folgte der Clinch, von dort ging der Kampf in die Bodenlage über und dort entfaltete der BJJ-Anwender seine volle Dominanz und beendete den Kampf mit Hebel oder Würgetechniken.
BJJ wurde somit durch seinen Wert im Kampf gegen andere Kampfsportler bekannt und weltweit erfolgreich. Es war erst ab 1996, dass in Rio de Janeiro die ersten Weltmeisterschaften (Mundials) im BJJ stattfanden. Mit der Gründung der IBJJF der globalen BJJ Föderation begann der Sport BJJ als Selbstzweck. Sportler begannen nun die althergebrachte Trainingsmethode die als Taparia bekannt war zu vernachlässigen und sich mehr und mehr auf das Spiel BJJ versus BJJ zu konzentrieren.
Taparia beschreibt eine bestimmte Trainingsmethode. Hierbei legten BJJ Sportler einmal die Woche (zumeist Freitags) den Gi ab und zogen Boxhandschuhe an. Nun übte man im Sparring das BJJ gegen einen schlagenden und tretenden Gegner anzuwenden. Diese Methode war sehr effektiv, da die Sportler bereits BJJ beherrschten und nun einfach lernten die Distanz schnell zu überbrücken, im Clinch effektiv zu arbeiten (mit Würfen aber auch mit Kniestößen und Ellbogen) und sich in der Bodenlage effektiv vor Schlägen schützen zu können.
Es war genau diese einfache und deswegen effektive Trainingsmethode die BJJ zu Beginn der UFC einen Vorteil verschaffte. BJJ war die einzige Kampfsportart, die darin geübt war ihren Grappling-Stil gegen schlagende Gegner, im Sparring anzuwenden.

Pareto BJJ greift diese Methodik wieder auf! Wir trainieren einmal die Woche die wichtigsten Skills die nötig sind um mit BJJ in einem nicht-BJJ Szenario zu bestehen. Dabei Konzentrieren wir uns auf wenige Techniken und Fähigkeiten die für die Selbstverteidigung unabdingbar sind, aber im sportlichen BJJ-Kontext einfach nicht mehr vorkommen.
Das Schließen der Distanz und der Umgang mit gegnerischen Schlägen und Tritten
Der Clinch, inklusive von Ellbogen und Kniestößen sowie effektiver Takedowns
Starke Positionen und maximaler Druck aus der Top-Position
Vale Tudo Guard (Punch Block System) aus der Rückenlage
Befreiungen aus Haltegriffen und schlechten Positionen!
BJJ hat sich seit den 1990gern stark entwickelt, die Techniken, die Methodik die Athletik der Sportler ist heute auf einem sehr hohen Niveau. Sei es im Gi, im Grappling seien es Takedowns, Guard oder Hebel. Das Niveau ist deutlich gestiegen. Jedoch sind die Fähigkeiten, die BJJ im klassischen Zweikampf Effektivität verliehen haben etwas auf der Stecke geblieben. Die Techniken die man braucht um Jiu-Jitsu im Zweikampf zu nutzen und jene, die man braucht um im Wettkampf zu bestehen sind eben nicht deckungsgleich. Niemand muss sich damit beschäftigen um BJJ zu lernen aber es ist eine tolle Chance sich auf eine sportliche Art und Weise mit Selbstverteidigung zu befassen.

Pareto ist im Grunde ein BJJ-Konzentrat, welches die Grundlagen des BJJ mit Strategien für Distanzarbeit, Clinch und Bodenkampf kombiniert. Genau wie im regulären BJJ Training wird das gelernte im Sparring geübt. Es findet ein Aufgabenbezogenes Sparring statt in dem Angreifer und Verteidiger sich abwechseln. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Techniken auch wirklich unter Stress abgerufen werden können.
Am Ende des Tages kämpfen wir so wie wir trainieren und wenn wir nie geübt haben unser BJJ unter Stress - jenseits der Wettkampfsituation - anzuwenden sind kann es schnell schwierig werden. Jedoch wenn ich meine Go-To Moves habe und weiß wo ich hinmöchte und welche Techniken ich nun präferiert anwenden sollte steigen meine Erfolgsaussichten deutlich.
Pareto war ursprünglich als Anfängertraining gedacht, tatsächlich ist es eher für Sportler geeignet die schon einen gewissen Wissensstand im Grappling mitbringen.

Allan M. Feldman: Pareto Optimality. In: Peter Newman (Hrsg.): The New Palgrave Dictionary of Economics and the Law. 1998.
Drysdale R. "Opening CLosed Guard" 2021




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