Selbstverteidigung, Kampfsport und das "böse" Adrenalin!

Aktualisiert: Feb 5

Oftmals hört man folgende Aussage: "Straße und Ring sind nicht vergleichbar". Stimmt, sind sie auch nicht. Es gibt wahnsinnig viele Faktoren die die Selbstverteidigungssituation auf der Straße unübersichtlich und sehr gefährlich machen. Jeder sollte sich in erster Linie von Ärger fernhalten. Techniken die in der Selbstverteidigung trainiert werden sind im Kampfsport oft verboten und werden ignoriert im Sparring und Wettkampf. Der Selbstverteidigungsspezialist übt Angriffe auf die Schwachpunkte des menschlichen Körpers. Auch ich habe sehr lange verschiedene Arten der Selbstverteidigung trainiert und unterrichtet und beherrsche einige der effektivsten Angriffstechniken. Diese Systeme die ich lernte (#wingtsun #wingchun #jkd und #musado) konnte ich in den Jahren 2004 - 2006 als Sicherheitsdienstmitarbeiter an einer Diskothek mehrfach testen. In der Regel leisteten mir die Techniken sehr gute Dienste. Aufgrund der Anwendungssituation war ich immer der Ansicht das mir diese Selbstverteidigungstechniken die beste Vorbereitung lieferten. Rückblickend gab es jedoch 3 Schwachpunkte der Selbstverteidigungstechniken die ich mit Kampfsport in meiner späteren Laufbahn lösen sollte und obwohl ich keine Selbstverteidigung mehr übte wurde ich ein besserer Anwender dieser Kampfkünste!


Ab 2007 begann ich wieder an Wettkämpfen in verschiedenen (fast allen) Kampfsportarten anzutreten. Von A wie Allkampf über BJJ, Boxen, Judo, Karate, K1, bis MMA! Ich konnte dabei sehr viel Erfahrung sammeln. Mir viel damals auf das die Adrenalin-Ausschüttungen kurz vor dem Kampf dem Gefühl an der Tür sehr ähnelten. Jedoch war es wesentlich planbarer. So wusste ich schon vor dem Wettkampf das ich diesen kampfstress haben werde. Und über die Zeit ließ dieser nun nach. Am Anfang meiner Laufbahn, war das Adrenalin kaum auszuhalten, und es lähmte mich regelrecht. Außerdem ließ es meine Kräfte in kurzen explosiven Intervallen einfach verpuffen. Als ich nach und nach dies zu ertragen bzw. zu beherrschen lernte liefen meine Kämpfe viel besser! Ich konnte meine Techniken nun im Wettkampf besser abrufen!



Als ich das nächste mal in eine Selbstverteidigungssituation kam, war ich unglaublich gelassen. Es war kaum etwas von einem Adrenalin-Ausbruch zu spüren. Ich handelte im Kampf sehr gelassen. Ich war aufgrund der Gelassenheit in der Lage die Angriffe auf empfindliche Ziele wegzulassen und hätte sie nur eingesetzt wenn es unbedingt nötig geworden wäre. Durch Kampfsport lernte ich den Umgang mit Adrenalin und konnte im Ernstfall mein WT & andere Kampfsysteme besser anwenden. Denn eine Anwendung im Dojo oder Kwon ist niemals mit einem Ernstfall vergleichbar.


Ein weiterer Schwachpunkt der SV Systeme war ein Mangel an ungefährlichen Techniken. Es ging konstant gegen die Augen, Genitalien, den Hals oder gar das Genick. Stile wie WingTsun oder Musado sind eben dafür gedacht den Schaden am Gegner zu maximieren. In den Meisten Fällen an der Tür reichten jedoch ringerische Techniken und etwas Boxen komplett aus. Ein Kräftiger Low Kick nimmt vielen bereits die Angriffslust. Ich stellte fest das Kampfsportarten wie Brazilian Jiu-Jitsu nicht versuchen in kurzer Zeit den Schaden am Gegner zu maximieren, sondern den Gegner zu besiegen und dabei minimalen Schaden zu verursachen (am besten gar keinen). Zwar lernte ich im 12ten Schülerprogramm sanfte Techniken kennen und auch im Musado etwas aber das war in der Regel weitaus brutaler als BJJ Techniken. Brutaler heißt eben nicht effektiver und schon gar nicht effizienter.



Last but not least! Sparring! Kampfsport hat Sparring und Sparringdrills in jedem Training. Im Wing Chun gab es selten Sparring und das war leider oft recht unkontrolliertes Prügeln. Sparring muss man ebenso lernen wie Kämpfen und Kämpfen und Sparring sind 2 paar Schuhe. Jedoch ist Sparring die beste Vorbereitung auf Kampf und Wettkampf. Es zu lernen sich mit einem Gegner zu befassen der sich zu 100% zur Wehr setzt ist ein gigantischer Lernvorteil! Distanzgefühl, Schwerpunktgefühl, Timing und auch eine gewissen mentale Stärke kommen hierbei zusammen. Allesamt enorm wichtig für die erfolgreiche SV und nicht beim "Trockenschwimmen" erlernbar.




Takeaways: Adrenalin lähmt, der Umgang damit kann aber im sicheren Rahmen es Sports gelernt werden! Kampfkünste machen den Angreifer kampfunfähig BJJ macht ihn Kampfunwillig ;) ! Sparring entwickelt die Attribute die nötig sind um Techniken (egal ob Kampfsport oder Kampfkunst) anwenden zu können!


Also wenn du eine SV-Kunst wie WT, Arnis, KM oder Kung Fu trainierst solltest du dir einen Kampfsport suchen in dem du durch Sparring (Randori) deine kämpferischen Attribute entwickeln kannst. Es wird dich zu einem effektiveren Kampfkünstler machen!



PS.: Mittlerweile befasse ich mich wieder häufiger mit Wing Tsun, Jeet Kune Do und ähnlichen Systemen und finde daran großen Spaß. Da wir unser Dojo bald um einen Kraftraum erweitern werde ich dort extra eine Holzpuppe (Mok Yang Chon) platzieren. Keep an Open Mind in Martial Arts! Wenn du aus einer dieser Künste kommst bist du herzlich in unserem Gym Jungle BJJ willkommen! Wir helfen dir dabei ein besserer Kampfkünstler zu werden und sind immer an fachlichen Austausch interessiert!


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